Salutogenese


 

Körper und Seele sind nicht verschiedene Dinge, sondern nur zwei Wege, dasselbe wahrzunehmen.
(Albert Einstein)


Gesundheit fördern | Ressourcen nutzen


Als geistiger Vater des "Salutogenese-Modells" (lat. salus = Wohlbefinden/ griech. genesis = Entstehung oder Ursprung) gilt der amerikanische Soziologe Aaron Antonovsky (1923–1994) ursprünglich als Stressforscher. Die Entstehung von Krankheiten und ihre Bewältigung dominierten lange unseren Gesundheitsbegriff.

 

Aaron Antonovsky dreht durch seine Forschungen angestoßen diese pathogenetische Perspektive um und fragt nach den Bedingungen von Gesundheit und ihrer Förderung: Wie schaffen es Menschen auch unter schwierigen Bedingungen gesund zu bleiben? Das Salutogenese-Konzept könnte man als Triebfeder einer neuen Gesundheitsorientierung definieren.

 

  • Gesundheit ist als ein stetiges Kontinuum zu verstehen.

  • Gesundheit ein Prozess, der nur mit einem geeigneten Verhalten aufrechterhalten werden kann.

  • Gesundheit immer erst aus der gesamten Geschichte des Individuums zu verstehen und mit seinen daraus resultierenden Bewältigungsmöglichkeiten.

  • Empfindet ein Mensch sein Leben als bestimmbar und stimmig, so entwickelt er ein Gefühl von Kohärenz (lat. cohaerere „zusammenhängen“).

  • Es ist Grundhaltung des Menschen, vorhandene Ressourcen zu nutzen sowie Widerstandsfähigkeit und Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Drei wesentliche Faktoren tragen nach seiner Untersuchung zur Manifestation eines „Kohärenzgefühls“ d.h. einer vertrauensvollen Orientierung im Leben und damit zu wachsender Gesundheit bei


Gesundheit als Prozess


A. Die Verstehbarkeit und Einschätzbarkeit –

dabei kann der Mensch die Herausforderungen seiner Umwelt nachvollziehen und einordnen.

B. Die Handhabbarkeit und Bewältigbarkeit –

beschreibt das Ausmaß des Vertrauens, in dem wahrgenommen wird, dass geeignete Ressourcen zur Verfügung stehen, um schwierige Anforderungen zu begegnen.

C. Die Sinnhaftigkeit und Bedeutsamkeit –

Während die ersten beiden Bestandteile des Kohärenzsinns der kognitiven Seite des Erlebens zuzuordnen sind, nimmt das Gefühl von Sinnhaftigkeit eine emotionale und motivierende Stellung im Salutogenesemodell ein. Menschen mit einem ausgeprägten Kohärenzsinn betrachten ihr Leben, ihre Biografie und ihr Handeln generell als sinnvoll, unabhängig davon, ob der Versuch zur Bewältigung eines Problems mehr oder weniger erfolgreich war. Energie in eine Lösung zu stecken, wird grundsätzlich als wertvoll betrachtet.


Allgemein gesprochen sehen jene Menschen ihr Leben als interessant, lebenswert und schön an. Je ausgeprägter das Kohärenzgefühl ist, umso verantwortungsvoller, flexibler und erfolgreicher kann der Mensch mit den Stressoren umgehen. Verstärkend wirkt hier die Schlüssigkeit seiner Erfahrungen.

 

Je klarer er realisiert, dass Ungleichgewicht ein zentraler Bestandteil des Lebens ist, umso selbstverständlicher und unbelasteter erlebt er auch entsprechende Herausforderungen und kann neuen Lösungen offen gegenüberstehen.


Gemeinsamkeiten von Salutogenese und Achtsamkeit


Achtsamkeit sowie Salutogenese  bauen auf dem Prinzip der Homöostase auf. Der menschliche Organismus ist in der Lage, einen ursprünglichen kohärenten Zustand durch Selbstregulierung wieder zurückzugewinnen.

 

Die Voraussetzung dafür ist, dass vorhandene Ressourcen nicht brach liegen, das heißt, dass wir Bedingungen schaffen, die uns unterstützen, Herausforderungen zu bewältigen und schwierige Situationen durchzustehen. Der gesundheitsfördernde, salutogenetisch wirksame "Sense of Coherence" besteht, wie wir gesehen haben, aus drei Überzeugungen: Der Verstehbarkeit, der Handhabbarkeit und der Bedeutsamkeit bzw. Sinnhaftigkeit einer Herausforderung. Achtsamkeit kann alle drei Faktoren fördern. Einsicht in eigene Mechanismen, aber auch die unvoreingenommene Beobachtung führt zu Verstehbarkeit.

 

Innehalten und ruhiges Erwägen der Wahlmöglichkeiten aus einem Abstand und das Aufsuchen von Ressourcenzuständen fördern die Handhabbarkeit.


Sinnhaftigkeit und Bedeutsamkeit, welche die Anstrengung und das Engagement lohnen zeigen sich oft erst im achtsamen Kontakt und im Verbundensein mit sich und anderen.


Gesund im Gesundheits- und Pflegeberufen


Deutlich wird, dass mit Gesundheit nicht die bloß gute körperliche Verfasstheit des Menschen gemeint ist, sondern gerade Antonovsky aus seinem Denken heraus den Mensch in seiner Ganzheit – also in Verbindung mit seiner psychischen und sozialen Dimension – betrachtet.


Auch In Pflegeberufen beschäftigen sich die Mitarbeiter vornehmlich mit der Sorge um die Gesundheit ihrer Patienten. Ihrer eigenen Gesundheit und der ihrer Leitungen wird dabei häufig wenig Beachtung geschenkt. Die mangelnde Sorge um die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter und ihrer Leitungen steht dabei in einem krassen Widerspruch zu dem ganzheitlichen Anspruch einer modernen Gesundheitsförderung.