Achtsamkeit

Selbstreflexion und innere Freiheit


Du kannst nur lernen, dass Du das, was Du suchst, schon selber bist. Alles Lernen ist das Erinnern an Etwas das längst da ist und nur auf Entdeckung wartet. (Sokrates)


Die Fülle des Lebens liegt in der Stille des Geistes. Achtsamkeit kann als besondere Form der Wahrnehmung verstanden werden, als besondere Art des Charakters oder historisch gesehen als Meditationsmethode verwendet werden.


Von der Notwendigkeit einer Veränderung des individuellen und gesellschaftlichen Bewusstsein sowie einer gesundheitsorientierten Kultivierung im Sinne der Achtsamkeit ist in den vergangenen Jahren viel diskutiert worden.

 

Eine leistungsorientierte und schnelllebige Zeit macht es immer schwieriger, mit sich selbst in Kontakt zu bleiben und sich seine Bedürfnisse und Empfindungen bewusst zu machen.

In den vergangen Jahrzehnten wurde das Prinzip Achtsamkeit unterschiedlich interpretiert und in verschiedene Ansätze integriert.


Achtsamkeit | Tradition


Der englische Fachbegriff mindfulness (Achtsamkeit) ist eine Übersetzung des Pali-Begriffs Sati, der soviel wie „Besinnung“, „erinnern“ oder „Gedächtnis“ bedeutet. In erster Linie wird es als eine Methode der sogenannten Geistesschulung für eine Ausbildung der Bewusstseinsklarheit beschrieben, die zu einer besseren Aufnahmefähigkeit, Weisheit und Konzentration führt.


Buddha sah darin einen Ausweg für Innere und Äußere „Bedrängnis“. Bedrängnis im Sinne von Spannungen und Konflikten, Gefühlen der Einengung und Sinnlosigkeit dieses Getriebenseins, die den inneren Druck erhöhen, aber mit und durch Achtsamkeit Erleichterung finden können.


Außerhalb der buddhistischen Traditionen ist die Definition von Achtsamkeit abhängig davon, für welche Ziele und Zielgruppen sie benutzt wird. Entweder zur allgemeinen Stressbewältigung, bei Schmerz oder zur Rückfallprophylaxe bei Depressionen aber auch im Coaching für unterschiedlichen Berufsgruppen.


Seit einigen Jahren erkennen immer mehr Wissenschaftler und Ärzte die Relevanz der Achtsamkeit für die psychische Gesundheit an und sie wird zur Behandlung und Prävention von Burnout verstärkt eingesetzt. Auch in der traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) findet die Achtsamkeit in Form von Körperübungen zur Erhaltung der Gesundheit (QiGong) seit mehr als zwei Jahrtausenden ihre Anwendung


Durch das Üben der Achtsamkeit und dem damit verbundenen Erlangen eines höheren Bewusstseins bietet sich die Möglichkeit zur neuen inneren Verhaltensregulation und damit zu Verhaltensänderungen. Die Sicht der Dinge kann klarer wahrgenommen werden und es entsteht mehr innere Ruhe, Toleranz für Unbekanntes und die Fähigkeit mit schwierigen Situationen und den eigenen Reaktionen darauf besser umzugehen.

 

Diese Form einer sogenannten Emotionsregulation gewinnt  auch immer mehr Bedeutung in der Psychotherapie. Sie steht im Einklang mit den Erkenntnissen der Neurowissenschaften, die beschreiben wie bestimmte Gehirnbahnen verändert werden können, wenn neuronale Strukturen lang genug stimuliert werden.


Anwendung in der Therapie


In einer entwicklungsorientierten Psychotherapie ist die Achtsamkeit in die Haltung und das Vorgehen des Therapeuten integriert, und je vertrauensvoller die therapeutische Beziehung, desto besser lernt der Klient seine Aufmerksamkeit nach innen zu richten. In der Körper- und  Psychotherapie wird mit aktivierten Gefühlen gearbeitet, daher wird Körperpsychotherapie auch als „erlebnisaktivierendes Verfahren” bezeichnet.


Es wird mit Hilfe der Achtsamkeit die Köperwahrnehmung des Klienten geschult sowie der Klient eingeladen, sein momentanes Befinden und Erleben körperlich oder sprachlich auszudrücken. Dadurch können die Gefühle mobilisiert, besser verstanden sowie neu im Bewusstsein integriert werden.


In den 1970iger Jahren wurde in den körperorientierten Psycho-Therapien, wie z.B. Downing 1996, Hakomi-Methode (Ron Kurtz) oder im Focusing (Gene Gendlin), die Achtsamkeit eingebunden. Dabei lernen die Klienten nicht nur über Inhalte ihrer Erfahrung und Traumata zu sprechen, sondern werden angeleitet ihr inneres Erleben zu erkunden.


Achtsamkeit und die Auswirkung auf die Gesellschaft


Weit weniger Beachtung haben jedoch die nicht primär gesundheitsbezogenen Effekte von Achtsamkeit wie Verbesserung von Entscheidungsfindung, Empathiefähigkeit, moralischem Empfinden und sozialen Interaktionen gefunden. Schließt man diese Möglichkeiten jedoch gezielt ein und begrenzt Achtsamkeit nicht nur auf Stressbewältigung, so erkennt man, dass hier viel Potenzial liegt, eine ganzheitliche Ressource für das private und berufliche Leben zu aktivieren.